40 Jahre MVV und ein neuer Rekord

25. Mai 2012

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund wird vierzig Jahre alt. Aus Anlass des Jubiläums sind über das Jahr verteilt viele Aktivitäten geplant, ihren Höhepunkt finden sie am 15. Juli 2012 in einem großen Jubiläumsfest rund um das Verkehrszentrum des Deutschen Museums. Der eigentliche Geburtstag steht aber jetzt am Pfingstmontag unmittelbar bevor: Der 28. Mai 1972 war der Tag, an dem die Bürger in Stadt und Umland die Verbundverkehre erstmals erleben und im wahrsten Sinne des Wortes „erfahren“ konnten. Wegen der Pfingstfeiertage werden die offiziellen Feierlichkeiten in den Sommer gelegt. Aber rechtzeitig zum eigentlichen Festtag blickt die Verbundgesellschaft auf eine beispiellose Erfolgsgeschichte zurück. Dabei können wir nun pünktlich zum 40. Geburtstag einen neuen Rekord melden: Die Zahl der in 2011 beförderten Fahrgäste stieg um 1,9 % auf eine neue Höchstzahl von 645.222.123 Fahrten!

Das MVV-Verbundsystem entwickelte sich von Beginn an bis heute stetig positiv. Das wird an einem Vergleich von Kennzahlen zwischen 1973 und heute (2011) deutlich: Die Fahrgastzahlen stiegen von 358 auf 645 Mio. Fahrten, die Personenkilometer um 134 % von 2.787 auf 6.521 Mio. und die Zahl der Haltestellen der Verkehrsunternehmen um 199 % von 1.512 auf 4.519. In gleicher Zeit stiegen die Einwohnerzahlen im Verbund um 25 % von 2,19 auf 2,73 Mio. Die Zahl der Fahrten pro Einwohner/Jahr stieg damit um 44 % von 163 auf 235, und das, obwohl die Zahl der PKW um 147 % von 0,577 auf 1,422 Mio. zunahm. Die Verbundgesellschaft nennt nachfolgend einige Faktoren, die in der Vergangenheit für die Entwicklung des Verkehrssystems prägend waren. Will man auch künftig an den bisherigen Erfolg des MVV anknüpfen, gilt es, diese Erfolgsfaktoren zukunftstauglich fortzuschreiben.

Organisation der Zusammenarbeit:

Vor 40 Jahren ganz neu und auch künftig aktuell: der Verbundgedanke. Ein Verkehrssystem aus einem Guss ist für den Fahrgast wichtig, am besten lässt es sich in dem Slogan „1 Netz. 1 Fahrplan. 1 Ticket.“ zusammenfassen: Der Fahrgast kann mit nur einem Fahrschein im gesamten Verbundgebiet, mit allen Verkehrsunternehmen fahren und sich hierüber in einer einheitlichen Kommunikation informieren. So kommt die Leistung der Verkehrsunternehmen, die an der Nahtstelle zum Kunden stehen, am effizientesten zur Geltung.

Unter der gemeinsamen Oberfläche MVV sind die Zuständigkeiten klar geregelt. Die Verkehrsunternehmen, allen voran die MVG und die S-Bahn, die in diesem Jahr auch ihr 40. Jubiläum feiert, sowie die vielen mittelständischen Verkehrsunternehmen in der Region, ermöglichen durch ihre Leistungen und Kompetenz den Erfolg des ÖPNV im Großraum München. Die Aufgabenträger, Landeshauptstadt München, Freistaat Bayern und die acht Verbundlandkreise, machen die politischen Vorgaben, finanzieren die Infrastruktur und zahlen (soweit erforderlich) Betriebskostenzuschüsse. Die Verbundgesellschaft MVV GmbH sorgt als Managementorganisation für den ÖPNV für Synergieeffekte und ein gutes Zusammenspiel zwischen Unternehmen und Aufgabenträgern.

Die Unternehmerlandschaft unterliegt derzeit einem Wandel aufgrund des sich liberalisierenden Marktes. Während im MVV-Regionalbusverkehr in den Landkreisen der Wettbewerb schon vor 15 Jahren Einzug gehalten hat, ermöglicht das neue Recht der LH München die Direktvergabe an die MVG. Bei der S-Bahn läuft der Verkehrsvertrag 2017 aus. Vor dem Hintergrund von möglichen Veränderungen auf der Betreiberebene gilt es, den zentrifugalen Kräften entgegenzuwirken und die bewährte Verbundidee auch künftig zu erhalten bzw. zu stärken.

Infrastruktur:

Zur Verbundgründung wurden mutige und vorausschauende Entscheidungen getroffen. Die Politik entschied sich vor dem Verbundstart für den Bau einer U-Bahn. Als Alternative wurde zuvor ernsthaft eine Unterpflastertram diskutiert. Wo stünde München heute, wenn man sich damals nicht für die große Lösung entschieden hätte? Ähnlich war es bei der S-Bahn. Bahn und Stadt nahmen beide die Trasse über den Marienplatz für sich in Anspruch. Schließlich verzichtete die Stadt zugunsten der Bahn auf diese. So konnten die Vorortbahnen von Osten und Westen mit dem neuen S-Bahntunnel verbunden und das moderne S-Bahnsystem rechtzeitig vor den Olympischen Spielen realisiert werden.

Bei der U-Bahn ist das Streckennetz von anfänglich 13,5 Kilometer auf mittlerweile 95,0 Kilometer und 100 Stationen gewachsen. Daneben besteht ein gut ausgebautes Tram-, Stadtbus- und Regionalbusnetz. Die Deutsche Bundesbahn brachte das S-Bahnnetz mit 378,5 Kilometern Streckenlänge in den Verbund ein. Im Laufe der Zeit wurde es auf 442 Kilometer ausgebaut. Die S-Bahn wurde zum Rückgrat der Stadt-Umland-Beziehungen. Mit 30 Fahrten je Stunde und Richtung in der Hauptverkehrszeit gehört die vorhandene Stammstrecke zu den am dichtesten befahrenen Eisenbahnstrecken in Europa.

Das vorhandene Netz ist beeindruckend, aber oft sehr gut aus- bzw. vor allem in den Hauptverkehrszeiten sogar überlastet. Allen Fachleuten ist klar, dass ein weiterer Ausbau unabdingbar ist, um den kommenden Herausforderungen durch Bevölkerungswachstum und Umweltschutz gerecht zu werden. Dies betrifft unter anderem den Bahnknoten München mit dem zweiten Stammstreckentunnel. Aber auch in die bestehende Infrastruktur muss investiert werden, nach 40 Jahren stehen immense Erhaltungs- und Erneuerungsinvestitionen an.

Finanzierung:

Ein guter ÖPNV kostet Geld. Das kommt entweder vom Steuerzahler oder von den Fahrgästen über Fahrgeldeinnahmen. So müssen regelmäßig die Ticketpreise angemessen angehoben werden, um das attraktive System finanzierbar zu halten: Die Monatskarte 4 Ringe kostet heute 64,20 € statt (umgerechnet) 17,38 € bei Verbundgründung. Doch solche Steigerungen treffen die Verbraucher in vielen Bereichen. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Der Benzinpreis ist in den letzten 40 Jahren um- + 341 % und die Bierpreise um + 497 % gestiegen. Offensichtlich wurde bei der Preisgestaltung im MVV ein vertretbares Maß gefunden: Heute nutzen fast 70 % der Fahrgäste eine allgemeine Zeitkarte, fast vier Fünftel aller Fahrtgäste sind Stammkunden im MVV. Dennoch geht wenig ohne die Finanzierung des ÖPNV durch die öffentliche Hand. Doch diese stößt an ihre Grenzen. Die traditionellen Finanzierungsinstrumente sind sehr komplex und werden derzeit an vielen Stellen leider hinterfragt. Hier muss auf Dauer eine tragfähige Lösung gefunden werden.

Angebot/Qualität:

Über die Verkehrsentwicklungspläne und die Nahverkehrspläne machen die Aufgabenträger Rahmenvorgaben für das Angebot, die Taktdichte und die Qualitätsstandards. Für die Zukunft seien hier beispielsweise als Stichwort die tangentialen Verbindungen genannt. Künftig gilt es innerhalb der Stadt, die dafür vorgesehenen Tramtangenten zügig zu realisieren und zu prüfen, wie das radiale S-Bahnnetz um sinnvolle Tangentialverbindungen im stadtnahen Landkreisgebiet ergänzt werden kann.

Kommunikation:

Um das Angebot im Verbund nutzen zu können, braucht der Fahrgast Informationen. Klassiker für die Information aus einer Hand ist das MVV-Fahrplanbuch. Aber der MVV ist auch Miterfinder der elektronischen Fahrplanauskunft (EFA), die mittlerweile weltweit erfolgreich ist. War sie in der Anfangszeit, ab 1983, (nur) über öffentliche BTX-Terminals, später als CD-ROM verfügbar, schnellen heute die online-Zugriffszahlen auf die EFA mit durchschnittlich 20 Mio. gerechneten Verbindungen im Monat (bis zu 833.000 pro Tag) in fast schwindelerregende Höhen. Online-Informationen sind ohnehin nicht mehr wegzudenken, der Internetauftritt des MVV hat derzeit rund 1,9 Mio. Besucher im Monat. So hilft der Ticketnavigator bei Fragen zum Tarif, die APP „Companion“ hat neuerdings einen interaktiven Verspätungsmelder, bei dem Fahrgäste Störungen melden und bestätigen können. Und mit dem Wohn- und Mobilitätsrechner (WoMo) können Umzugswillige Mobilitätskosten und Umweltauswirkungen in ihre Standortwahl mit einbeziehen.

Die Telematik bietet viele neue Möglichkeiten, den Zugang zum ÖPNV für den Fahrgast zu erleichtern. Onlineverkauf von Fahrscheinen, elektronisches Ticketing und auch das Handyticket werden auch im MVV neue Chancen im Vertrieb eröffnen. Echtzeitdaten und RBL-Systeme auch im MVV-Regionalbusverkehr werden neue Möglichkeiten für die Fahrgastinformation, Betriebssteuerung und Planung eröffnen.

Symbiose mit dem Wirtschaftsraum:

Der Großraum München lebt von seinem gut ausgebauten ÖPNV-Angebot. Ohne den MVV wäre der Raum nicht das, was er heute ist, ein Top-Standort in Deutschland und Europa. Aber umgekehrt wäre auch die Auslastung der Verbundverkehre ohne den Wirtschaftsraum München nicht so gut. Ein Indikator für die Nutzung des MVV durch die Berufspendler ist die positive Entwicklung bei den IsarCard -Jahresabonnements mit derzeit 260.000 Kunden; ein anderer sind die Siedlungsachsen, die deutlich sichtbar entlang der Schnellbahnlinien wuchsen.

Der Verbund besteht noch heute in den Grenzen von 1972, doch die Fahrgäste pendeln mittlerweile immer häufiger über die bisherigen Verbundgrenzen hinaus. Verbundgebiet und Verkehrsgebiet sind also schon lange nicht mehr identisch. Im Rahmen der Europäischen Metropolregion München (EMM) ist zu prüfen, ob hier nicht Handlungsbedarf in Richtung einer Erweiterung des Verbundraums besteht.

Fazit:

Der MVV leistet einen maßgeblichen Beitrag zur positiven Entwicklung des Großraums München – in wirtschaftlicher, verkehrlicher, raumplanerischer, touristischer und ökologischer Hinsicht. Er steht nun nach 40 Jahren bei allem Stolz auf das Erreichte aber in einigen Bereichen vor neuen Weichenstellungen.

MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag:

„Das bisher Erreichte stimmt zuversichtlich, dass auch die Herausforderungen der Zukunft unter dem gemeinsamen Dach des MVV gemeistert werden können. Den Geburtstag nehme ich zum Anlass für ein herzliches Dankeschön an die Verkehrsunternehmen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mein herzlicher Dank gilt auch den Aufgabenträgern, die mit wegweisenden verkehrspolitischen Entscheidungen, Vorgaben und Steuerungs-instrumenten den Rahmen für die Entwicklung des Verbundsystems geschaffen haben. Besonders danke ich den Fahrgästen, die das Angebot aus einem Guss und die gemeinsame Benutzeroberfläche des MVV gut annehmen. Allzeit gute Fahrt!"

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